Zwischen dem 19. und 21. November 2021 stand Luzern im Zeichen von Celestino Piatti. Der eigentliche Höhepunkt stand dabei gleich am Anfang des dreiteiligen Anlasses. Die Vereine UntergRundgang und «Celestino Piatti – das visuelle Erbe» brachten den «Heliofanten am Freitag, 19. November 2021, nochmals für zwei Stunden zurück an «seinen Platz» beim Kreuzstutz. Ein Rundgang «Piatti Spezial» und eine Diskussion zum Politischen Plakat rundeten die Piatti Tage ab.

Weit über 100 Personen waren am Freitag, 19. November 2021 zusammen gekommen, um einer lang verschollenen Kultfigur und dessen «Vater» Celestino Piatti Tribut zu zollen. Mit seiner unverkennbaren Designsprache wurde der Basler Künstler (1922–2007) international berühmt. Er gestaltete Kinderbücher, Briefmarken und unzählige Werbungen (z.B. für Campari, Rolex oder Terre des Hommes). Mit seinen über 500 Plakaten und mehr als 6000 dtv-Buchumschlägen wurde Celestino Piatti früh international bekannt. In Luzern war seine Handschrift vor allem an einem Ort präsent – am Kreuzstutz:

Der offizielle Flyer der «Luzerner Piatti-Tage» basiert auf einer Originalskizze von Celestino Piatti aus dem Jahr 1965.

Dort lächelte sich der von ihm gestaltete Heliomalt-Elefant gut 30 Jahre in die Herzen der Luzerner*innen. Im November 1965 wurde er an die Fassade gemalt. Verschwunden ist er erst in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahren. Und obwohl er nun schon seit einem Vierteljahrhundert «nicht mehr ist», erinnern sich dennoch viele an das sympathische Rüsseltier, das alle, die mit dem Zug oder im Auto vorbeizogen, freundlich begrüsste.

Die Visionierung am Kreuzstutz war gut besucht.

Da die Rückkehr des Heliofanten gleichzeitig auch der dritte und letzte Teil der Feierlichkeiten rund um das 25-jährige Bestehen des UntergRundgangs war, wechselten die Vereinsmitglieder zusammen mit geladenen Gästen rüber ins St.-Karl-Pfarrheim. Dort liessen wir den Abend mit Häppchen, Wein und selbstgemachtem Risotto ausklingen.

Barbara Piatti (mitte), Tochter von Celestino Piatti lässt zusammen mit Urs Häner (von links), Michael Weber und Judith Schubiger vom Verein UntergRundgang die gelungene Visionierung Revue passieren.

Ein Rundgang und eine Diskussionsrunde folgten

Wer mehr über die Hintergründe des Heliomalt-Elefanten am Kreuzstutz – und andere Kunstwerke im Quartier Untergrund erfahren wollte, war am Samstag, 20. November 2021, am öffentlichen Rundgang «Piatti-Spezial» vom Verein UntergRundgang mit dabei. Rund 20 Personen gingen dabei mit aufmerksamen Augen durchs Quartier, an der Schnittstelle von Kunst und Geschichte.

Die UntergRundgänger Urs Häner (links) und Michael Weber während des Rundgangs «Piatti Spezial» am 20. November 2021.

Piattis visuelle Botschaften haben das öffentliche Bewusstsein geprägt: Seine Grafik der Emotionen und der Fantasie besticht durch klare Formen und leuchtende Farben. Er machte Plakate für das Frauenstimmrecht und gegen eine menschenunwürdige Einwanderungspolitik, für den Tier- und Umweltschutz, gegen Atomkraftwerke. Celestino Piatti und Hans Erni – die beiden Ausnahme-Plakatgrafiker – haben ihre Kunst oft in den Dienst politischer Initiativen gestellt, ein Kampf, ausgetragen mit Form und Farbe. Am Sonntag, 21. November, fand im Hans Erni Museum ein Gespräch über Hans Ernis und Celestino Piattis politische Plakate statt mit Barbara Piatti, Tochter des Künstlers, Claudio Miozzari, Journalist und Unternehmer, und Heinz Stahlhut, Leiter Museum Hans Erni.

Heinz Stahlhut (links) diskutierte mit Claudio Miozzari und Barbara Piatti über ploitische Plakate.

Basel, Luzern, Zürich und München

Anlässlich seines 100. Geburtstags ist ebenfalls der Bildband «Celestino Piatti: Alles, was ich male, hat Augen» erschienen. Dieser lädt in Piattis Atelier-Werkstatt ein: Er versammelt ikonische Werke und zahlreiche noch nicht publizierte Fundstücke aus dem Privatarchiv. Erinnerungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie designhistorische Essays erzählen die Geschichte eines Künstlers, der seinen Beruf als Handwerk verstand und mit grösster Leidenschaft ausübte. Und sein Geburtstag wird nicht nur in Luzern «begangen». Auch in seiner Heimatstadt Basel, in Zürich und in München wird und wurde mit «Piatti Tagen» das Oeuvre des Ausnahmekünstlers wachgerufen.

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