Neue historische Tafel im Untergrund

Am Samstag, 3. Juli 2021, konnte nach mehreren coronabedingten Verschiebungen endlich der zentrale Jubiläumsanlass «25 Jahre UntergRundgang» durchgeführt werden. Zunächst wurde an der Baselstrasse feierlich eine neue historische Tafel enthüllt, die sich der Geschichte des weltoffenen Zuwanderungsquartiers (heute auch BaBeL genannt) widmet. Nach einigen erläuternden Worten von Nika Spalinger, Professorin an der Luzerner Hochschule für Design und Kunst, zu diesem Projekt an der Schnittstelle von Geschichte und Kunst richtete Stadtrat Adrian Borgula ein Grusswort an die im Schulgebäude Sentimatt versammelte Festgemeinschaft und blickte auf die letzten 25 Jahre spezieller Geschichtsvermittlung zurück.

Es war im Jahr 1995, als eine Gruppe von Geschichtsfreunden den ersten sozialgeschichtlichen Rundgang durch das Untergrundquartier auf die Beine stellte. Weil er auf gute Resonanz stiess, wurden diese «UntergRundgänge» weiterhin angeboten. Und weil das Motto «Grabe, wo du stehst» so reichhaltige Funde an Geschichten und Entdeckungen an die Oberfläche brachte, entstanden in den vergangenen 25 Jahren sieben zweistündige Programme (und ausserdem einige weitere Spezialrundgänge in wechselnder Kooperation).

Zu Beginn des Jahres 2020, kurz bevor Corona alles auf den Kopf stellte, wurden die UntergRundgänger*innen gebucht von Nika Spalinger, Professorin an der HSLU Design&Kunst. Im Rahmen einer Projektwoche des BA Studiengangs Kunst und Vermittlung mit den Gastdozierenden Nicola Rivet und Jeanne Gillard (Rosa Brux) aus Genf sollten die Studierenden einen geschärften Blick für all die Signale im öffentlichen Raum des Quartiers bekommen. Leitfrage war, an wen hier erinnert wird, wessen Beitrag zum «Bau» der Gesellschaft als wichtig eingestuft oder überhaupt sichtbar wird. In der Folge entwickelte die Gaststudentin Lydie Serret aus Mulhouse die Idee, für eines der unscheinbaren Signale eine Form der Erinnerung festzuschreiben. Die ganze Altstadt ist voll von historischen Tafeln, auf dass Touristinnen und Touristen gebildet nach Hause gehen können. Im ganzen Untergrundquartier gab es bisher genau zwei Tafeln: jene beim ehemaligen Baslertor am heutigen Kasernenplatz und jene beim Alten Sentispital, wo sich heute ein Quartiertreff befindet. Seit Samstag sind es nun drei.

Eigentlich hätte das 25-Jahr-Jubiläum im vergangenen Herbst mit einem grossen Anlass über die Bühne gehen sollen. Er musste dann einerseits coronabedingt mehrfach verschoben werden, andererseits war es angezeigt, mehrere kleinere Portionen daraus zu machen. So bildete nun die feierliche Einweihung einer neuen historischen Tafel die Mitte zwischen zwei Kooperationen: Im Frühjahr konnte auf der Reussinsel im Rahmen einer Zusammenarbeit mit dem Comic-Festival «Fumetto» ein neues Wandbild eingeweiht werden, und im Herbst soll im Rahmen der Feierlichkeiten zum hundertsten Geburtstag von Celestino Piatti seiner stadtbekannten Heliomalt-Werbung (jene mit dem Elefanten an einer Wand beim Kreuzstutz) gedacht werden. Das Jubiläumsjahr wird abgerundet durch eine Reihe von sogenannter Best-of-Rundgängen, auf denen die acht Guides ihre Lieblingsstationen präsentieren.